Schaumstoff gehört zu den Materialien, über die selten gesprochen wird, aber auf die kein Haushalt verzichten kann. Das Leichtgewicht unter den Werkstoffen ist in so gut wie jedem Haus zu finden. Die Vielfalt an Einsatzgebieten ist dagegen für die meisten Menschen nach wie vor überraschend. Das ist ein stichhaltiger Grund, sich in diesem Ratgeber näher mit verschiedenen Verwendungszwecken von Schaumstoff innerhalb des Hauses zu befassen.
Definition: Was ist Schaumstoff?
Bevor die einzelnen Verwendungszwecke in den Fokus rücken, ist es von Vorteil, zunächst zu beschreiben, woraus Schaumstoff geformt ist. Die Basis des Schaumstoffs besteht aus Kunststoffen, wie:
- Polypropylen (PP)
- Polystyrol (PS)
- Polyurethan (PU)
- Polyethylen (PE)
- Polyvinylchlorid (PVC)
Die Herstellung von Schaumstoffen erfolgt in der Regel über das Schmelzen der Ausgangskunststoffe. In der flüssigen Konsistenz lassen sich die Kunststoffe leichter mit Treibmitteln vermischen. Im Anschluss erfolgt eine chemische Reaktion, welche die Ausgangsmaterialien aufschäumt.
Im Rahmen dieser Reaktion bilden sich unzählige kleine Kammern und Luftlöcher innerhalb des Schaumstoffs. Die enthaltene Luft ist zugleich eine Erklärung für das geringe Gesamtgewicht von Schaumstoffen. Aufgrund der niedrigen Dichte liegt der Anteil fester Materialien im Allgemeinen bei weniger als 10 %, sodass Schaumstoff zum Großteil aus Luft besteht.
Die wichtigsten Einsatzgebiete innerhalb des Hauses
Beim Gedanken an die Einsatzgebiete von Schaumstoffen führt der erste Gedanke fast zwangsläufig zu den Sitzmöbeln innerhalb der Wohnung. Schaumstoff ist einer der bequemsten Wege, um den Sitzkomfort von Sofas und Sesseln zu erhöhen. Jedoch gewährt dieser Verwendungszweck nur einen kleinen Einblick in die zahlreichen Einsatzzwecke von aufgeschäumten Kunststoffen in Privathaushalten und Gebäuden. Ein passender Schaumstoffzuschnitt für die Anwendung im Haus bietet vielseitige Optionen. Die folgenden drei Kategorien geben einen Überblick über die mannigfaltigen Einsatzgebiete von Schaumstoffen.
Schaumstoffe, die zur Polsterung von Sitzmöbeln zum Einsatz kommen, müssen gleich mehrere Eigenschaften erfüllen. Dazu gehören:
- Formstabilität
- Strapazierfähigkeit und
- Langlebigkeit.
Um alle drei Eigenschaften zu erfüllen, fällt die Wahl überdurchschnittlich oft auf PU-Schaumstoff (ebenfalls als PUR-Schaumstoff bekannt). Als Polsterung kommt in diesem Fall der Weichschaumstoff von Polyurethan zum Einsatz. Dessen Vorteile umfassen zudem:
Elastizität
PU-Schaumstoff gilt als elastisch und formstabil. Selbst nach längerem Sitzen oder dem Zurücklehnen nimmt der Schaumstoff nach dem Aufstehen wieder seine ursprüngliche Form an. Diese Fähigkeit behält Polyurethan, selbst bei täglicher Nutzung, oftmals über Jahre hinweg bei.
Atmungsaktives Gewebe
Aufgeschäumtes Polyurethan besitzt eine offenporige Zellstruktur. Das bedeutet, dass die Luft nicht starr in den Kammern gefangen ist, sondern ein Austausch stattfindet. Diese Eigenschaft ist speziell bei Möbeln von Vorteil, deren Polsterung nicht entfernbar ist. Im Vergleich zu gepolsterten Sitzkissen, die eine Reinigung in der Waschmaschine erlauben, fördert der atmungsaktive PU-Schaumstoff eine hygienische Verwendung von Polstermöbeln über mehrere Jahre und Jahrzehnte hinweg. Es besteht insofern ein geringes Risiko für die Bildung von Schimmelsporen oder anderen schädlichen Keimen.
Qualitätsmerkmale für die Polsterung von Outdoormöbeln
Die offenporige Struktur von PU-Schaumstoff ist ebenfalls für die Polsterung von Outdoormöbeln oder Sitzauflagen eine vorausschauende Wahl. Die atmungsaktive Eigenschaft des Materials sorgt dafür, dass kein Hitzestau innerhalb des Schaumstoffes entsteht. Das Material bietet insofern keinen Nährboden für Schimmel oder Nistplatz für Insekten. Offenporige Schaumstoffe sollten im Außenbereich stets mit wasserabweisenden Bezügen kombiniert werden.
Als Alternative bieten sich ansonsten geschlossenporige Schaumstoffe sowie die sogenannten Quick-Dry-Schaumstoffe an. Diese Polsterungen können selbst bei Regen im Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon verbleiben, ohne mit einem schnelleren Qualitätsverlust des Materials rechnen zu müssen.
2. Schaumstoffe in Matratzen
Jeder Mensch stellt andere Anforderungen an einen erholsamen und gesunden Schlaf. Angesichts dessen ist es nur wenig überraschend, dass gleich mehrere Arten von Schaumstoffen für die Herstellung von Matratzen infrage kommen. Zu dieser Auswahl gehören:
PU-Schaumstoff
Die von der Polsterung von Möbeln bekannten Eigenschaften von aufgeschäumtem Polyurethan spielen ebenfalls für die Herstellung von Matratzen eine entscheidende Rolle. In der Auswahl zeichnet sich PU-Schaumstoff durch eine größtenteils als gut zu bezeichnende Stützfähigkeit aus. Empfohlen wird Polyurethan insbesondere für Personen mit einem niedrigeren Körpergewicht. Dementsprechend ist die Auswahl an PU-Schaumstoff-Matratzen für Babys, Kinder und Jugendliche besonders vielfältig. Mit steigendem Gewicht kann die Stützkraft dagegen, abhängig vom Härtegrad der Matratze, deutlich geringer ausfallen als bei anderen Schaumstoffen.
Die Vorteile von PU-Schaumstoff-Matratzen:
- Formstabil
- atmungsaktive Struktur
- Langlebig
- Schutz vor Parasiten wie Milben
- geringere Kosten
Kaltschaum
Kaltschaum bietet in der Nutzung als Matratze eine hervorragende Stützkraft des gesamten Körpers. Dieses Material ist zudem bekannt für die Einteilung in unterschiedliche Zonen. Der Zweck besteht darin, die Wirbelsäule während des Schlafs zu entlasten und Beschwerden wie Rücken- oder Gelenkschmerzen vorzubeugen.
Der Unterschied zwischen PU-Schaumstoff und Kaltschaum entsteht während der Herstellung. In der Fertigung von Kaltschaum wird auf Wärme verzichtet, wodurch das Endmaterial als hochwertiger gilt. Das zeigt sich unter anderem nach dem Aufstehen. Kaltschaum kehrt schneller zu seiner ursprünglichen Form zurück und neigt weniger schnell dazu, Kuhlen oder bleibende Verformungen zu bilden. Diese Eigenschaften führen dazu, dass Kaltschaummatratzen in der Regel im mittleren und höheren Preissegment anzutreffen sind.
Die Vorteile von Kaltschaummatratzen:
- Für Allergiker geeignet
- Wärmespeicherung
- Langlebigkeit
- geringes Eigengewicht
- Für Lattenroste geeignet
Viscoschaum
Viscoschaum ist den meisten Menschen wahrscheinlich unter dem Namen „Memory Foam“ ein Begriff. Diese Bezeichnung ist auf die individuellen Eigenschaften dieses Schaumstoffs zurückzuführen. Der Schaum merkt sich quasi die Stellen, an denen der Körper tiefer in die Matratze einsinkt, um die Wirbelsäule zu stabilisieren.
Diese Stellen nehmen nur langsamer ihre ursprüngliche Form wieder an, sodass die Matratze sich optimal den Körperformen ihrer Besitzer anpasst. Ein Vorteil besteht darin, dass Muskeln und Gelenke während des Schlafs eine entspanntere Haltung einnehmen und dadurch zeitgleich eine optimale Blutzirkulation im Schlaf gewähren.
Die Vorteile von Viscoschaummatratzen:
- Für Allergiker geeignet
- Speicherung der Körperwärme
- Punktelastisch
- Memoryeffekt
- Fördert die Durchblutung
3. Schaumstoff als Baustoff für Dämmungen
Heizkosten lassen sich am effektivsten durch eine hochwertige Wärmedämmung senken. Schaumstoff hat sich ebenfalls im Bereich des Ausbaus und der Sanierung von Häusern als Baustoff bewährt. Hervorzuheben sind für die Dämmung von Gebäuden die folgenden zwei Schaumstoffarten.
Polyurethan
Die Dämmung der Wände, des Daches oder des Kellers wird in der Regel erst nach mehreren Jahrzehnten erneuert. PU-Schaumstoff ist aufgrund der vorhandenen Langlebigkeit hervorragend für diese Zwecke geeignet. Der Anstieg der Dämmleistung liegt durch die Verwendung von geschäumtem Polyurethan ebenfalls im oberen Bereich und kann schnell bis zu 30 % und mehr der ursprünglichen Heizkosten einsparen.
Neben größeren Flächen kommt Polyurethan ebenfalls als Bauschaum zur Abdichtung von kleineren Zwischenräumen wie beispielsweise an Fenstern und Türen zum Einsatz. Dadurch wird verhindert, dass durch diese Bereiche kalte Luft eindringt und die Heizkosten in die Höhe treiben. Als Baustoff wird geschlossenporiger PU-Schaumstoff bevorzugt, um das Eindringen von Feuchtigkeit und einem vorzeitigen Verschleiß durch Schimmel vorzubeugen.
In Form von PU-Schaumstoffmatten ist Polyurethan darüber hinaus zum Schallschutz von Räumen geeignet. In Häusern reichen die Verwendungszwecke von Tonstudios über Proberäume für Musiker bis zu Heimkinos. Die Matten reduzieren die ausgehenden Geräusche und erlauben es auch in dicht besiedelten Wohngegenden mit der bevorzugten Akustik, die anderen Anwohner nicht zu stören.
Polystyrol
Dieser Schaumstoff, der häufig auch als Styropor bezeichnet wird, zeichnet sich durch ein geringes Gesamtgewicht aus. Diese Eigenschaft nutzen Bauunternehmen und Immobilienbesitzer für die Außendämmung der Fassade zu ihrem Vorteil. In Form von Platten eignet sich Polystyrolschaumstoff ebenfalls zur Fassadendämmung von älteren Gebäuden. Die Platten beugen dem Wärmeverlust beim Heizen vor und besitzen ein Einsparpotenzial von durchschnittlich 10 bis 25 % der bisherigen Heizkosten.
Fazit: Die Art des Schaumstoffes entscheidet über die Qualität
Beim Kauf und der Auswahl von Produkten und Dämmungen aus Schaumstoff ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen. Eine umfassende Recherche zeigt, welche Unterschiede zwischen den einzelnen Arten von aufgeschäumtem Kunststoff bestehen. Den passenden Kunststoff für den gewünschten Verwendungszweck zu finden, ist ein erster Schritt zur richtigen Kaufentscheidung sowie dem späteren Vergleich hochwertiger Angebote.

